Als 1906 auf Initiative von Prof. Bamler die Sektion Bonn des „Niederrheinischen
Vereins für Luftschiffahrt“ gegründet wurde, steckte die Fliegerei noch ganz in
den Kinderschuhen. Otto Lilienthals Gleitflüge lagen gut 10 Jahre zurück; erst drei
Jahre zuvor war den Gebrüdern Wright ihr erster Motorflug gelungen. Niemand konnte
die Entwicklung der Fliegerei voraussehen oder auch nur ahnen, dass die Benutzung
eines Flugzeuges einmal selbstverständlicher und unverzichtbarer Bestandteil modernen
Lebens sein würde.
Grünungsversammlung in der „Lese- und Erholungsgesellschaft“ zu Bonn
Prof. Dr. Bamler ernannte in der Grünungsversammlung in der „Lese- und Erholungsgesellschaft“
zu Bonn Prof. Dr. Bamler ernannte in der Gründungsversammlung den Oberlehrer Prof.
Dr. Ernst Milarch zum Vorsitzenden des „Luftschifferclubs“, wie der Verein in Bürgerkreisen
genannt wurde. 1908 wurde der erste vereinseigene Ballon von Prinzessin Viktoria
zu Schaumburg-Lippe, eine Schwester des Deutschen Kaisers, auf ihren Namen getauft.
1908 wurde der erste vereinseigene Ballon von Prinzessin Viktoria zu Schaumburg-Lippe,
eine Schwester des Deutschen Kaisers, auf ihren Namen getauft.
Taufe des Ballons „Prinzeß Viktoria“
Der Verein förderte aber auch schon früh das Fliegen mit „Flugapparaten“. Die ersten
Flüge führte Fritz Pullig aus Altenkirchen mit einem Gleitflugzeug 1909 in der Hangelarer
Heide durch. Dies war die Geburtsstunde des Fugplatzes Hangelar. Es lässt sich mit
Fug und Recht sagen, dass der Luftsportverein Bonn in seiner heutigen Gestalt ohne
den Flugplatz Hangelar nicht denkbar ist, wie umgekehrt die Entwicklung des Flugplatzes
eng mit dem Luftsportverein verzahnt ist.
Im Ersten Weltkrieg wurden die 4 Ballone des Vereins beschlagnahmt.
Nach dem Krieg verboten die Siegermächte jede fliegerische Betätigung. Trotzdem
fing man 1922 heimlich wieder mit dem Bau von Segelflugzeugen an.
Heimlicher Versuch 1922 auf dem Rodderberg (links Albert Sonntag)
Maßgeblichen Anteil an der Entwicklung der Luftfahrt in Bonn hatte der ehrenamtliche
Geschäftsführer des Luftsportvereins Bonn und späterer Flughafenleiter von Hangelar
Albert Sonntag. Er erreichte es, dass die Stadt Bonn, der Landkreis Bonn und der
Siegkreis sich schon 1925 zu einer Arbeitsgemeinschaft in allen Luftverkehrsfragen
unter der Direktion der elektrischen Bahnen (SSB) zusammenschlossen. Die SSB besaß
sogar ein eigenes Flugzeug, die „Siebengebirgsklemm“.
Albert Sonntag (links) vor der „Siebengebirgsklemm“
1922 nahmen Hans Wisskirchen am Segelfugwettbewerb in der Rhön teil. 1923 schaffte
man heimlich, auf einem Heuwagen versteckt, ein Segelflugzeug über die Besatzungszonengrenze
bei Altenkirchen zur Wasserkuppe. Auf die Frage eines Passanten was denn auf dem
Wagen sei, antwortete der Fuhrmann: „En Maschien för Prumme ze drücke“.
In den zwanziger und dreißiger Jahren fanden viele Flugtage und Kunstflugmeisterschaften
in Hangelar statt, die bei der hiesigen Bevölkerung großen Anklang fanden.
Die Segelflieger flogen anfangs auf dem Rodderberg bei Mehlem, gingen aber auch
nach Hangelar als Windenstart und Flugzeugschlepp Flüge auf ebenem Gelände ermöglichten.
Kunstflugmeisterschaft am 29. Mai 1930
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 betrieben sie
bereits im Februar die Auflösung des Bonner Luftsportvereins. Alle Flugzeuge des
Vereins mussten dem „Nationalsozialistischen Fliegerkorps“ übergeben werden. Von
seinem Vermögen hat der Verein nie etwas wieder gesehen.
Nach dem 2. Weltkrieg verboten die Alliierten jede fliegerische Betätigung. Schon
am 4. Juni 1950 hatten sich einige Bonner Flieger bei Tante Tinchen in Hangelar
getroffen und Bruno Weber lud zur Wiedergründung des „Luftsport-Verein Bonn“ am
11. Dez. 1950 in den Berliner Hof ein. Am 19. Juni 1951 wurde der Segelflug in Deutschland
wieder zugelassen. Im November richteten die Bonner Flieger in den Kellerräumen
der Getränkefabrik Simon eine Werkstatt ein und begannen im Januar 1952 mit dem
Bau eines Gleitflugzeuges „SG38“.
Schulgleiter „SG 38“
Bruno Weber im Grunau Baby
Lutwin Jülich mit seinem 14-jährigen Flugschüler im „Blanik“
Bonner Flieger und Konstrukteure leisteten einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung
der Luftfahrt.
Fieseler 1926 in Hangelar
Der in Bonn aufgewachsene Gerhard Fieseler gewann fünfmal die Deutsche Kunstflugmeisterschaft,
zweimal wurde er Europameister und 1934 Weltmeister. Aus seiner Firma „Segelflugzeugbau
Kassel“ wurden später die Gerhard-Fieseler-Werke, in denen in den 30er und 40er
Jahren zahlreiche neue Flugzeugtypen geschaffen wurden. Seine wohl bekannteste Konstruktion
war der „Fieseler Storch“.
Kunstflugmeisterschaft 1930
Die in Bonn geborene Liesel Bach trat 1929 in unseren Verein ein und wurde bereits
1930 erste Deutsche Damen - Kunstflugmeisterin.
Liesel Bach und Dr. Schroedter
Der nahe dem Flugplatz Hangelar in Niederpleis geborene Albert Falderbaum wurde
dreimal Deutscher Kunstflugmeister.
Albert Falderbaum
Die Brüder Walter und Reimar Horten perfektionierten das Nurflügelprinzip. Schon
als 15- bzw. 13-jährige erhielten sie 1928 bei einem Modellwettbewerb den ersten
Preis. Als die Eltern in Breslau waren, bauten die beiden 1933 das erste Nurflügel-Segelflugzeug
in der elterlichen Wohnung in Bonn. Um den nötigen Platz zu schaffen wurde einfach
eine Trennwand herausgeschlagen. Danach folgten weitere, auch motorisierte Versionen.
In Zusammenarbeit mit Dynamit-Nobel entstand 1936 das erste Kunststoffflugzeug der
Welt! Die Horten VI erreichte schon 1943 die Traumgleitzahl von 45, d. h. aus einem
Kilometer Höhe konnte dieses Segelflugzeug 45 Kilometer weit gleiten. Ebenfalls1943
wurde ein zweistrahliges Nurflügel-Düsenflugzeug gebaut. Noch während des Zweiten
Weltkrieges entwickelten sie das Überschalldelta H XIIIb, das Mach 1,4 erreichen
sollte. Diese Konstruktionen muten auch heute noch modern an. Die beiden Brüder
waren ihrer Zeit weit voraus. Diese Arbeiten fanden eine späte internationale Anerkennung.
1993 verlieh die Royal Aeronautical Society of Great Britain Reimar Horten ihre
höchste Auszeichnung, die „British Gold Medal for Outstanding Achievements in Aeronautics“.
Segelflugzeug „Horten VI“
Prof. Dr. Siegfried Ruff war seit 1938 maßgebend an der Entwicklung des Schleudersitzes
beteiligt und leistete so einen großen Beitrag für die Sicherheit in der Fliegerei.
Er gehörte seit 1969 dem Vorstand der Deutschen Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt
an. Um Höhenflugbedingungen für luftfahrtmedizinische Untersuchungen zu simulieren,
erarbeitete er die Grundlagen für eine Unterdruckkammer, die von unserem Vereinsmitglied
Dr. Rolf Schrödter gebaut wurde.
Ruff im Segelflugzeug „Bönnscher Jung“ vom Typ „Professor“
Alfons Pützer gründete in den 50er Jahren ein Unternehmen zur Entwicklung und Fertigung
von Leichtflugzeugen. Er erhielt Forschungsaufträge für neue Werkstoff- und Antriebstechnologien.
Seine bekanntesten Flugzeuge waren die Elster, RF-3 und RF-5 sowie die RS 180.
Die Bonner „Elster“
Ein weiterer erfolgreicher Bonner Segelflieger ist Heinz Hubertz. 1979 errang er
den ersten Platz im Deutschen Segelflugwettbewerb. Auch in den folgenden Jahren
findet man ihn auf den vorderen Plätzen bei der Deutschen Meisterschaft im Streckensegelflug.
Noch heute gibt er als Fluglehrer seine großen Erfahrungen gerne weiter.
Heinz Hubertz mit seiner „Ka 6“
Anlässlich des 100-jährigen Bestehens wird der Verein ein 240-seitiges Buch mit
dem Titel „100 Jahre Luftsportverein Bonn = 100 Jahre Bonner Luftsport“ herausgeben.
280 Bilder illustrieren diese Entwicklung von den Anfängen bis zur Gegenwart. Dieses
Buch befasst sich nicht nur mit der engeren Vereinsgeschichte, sondern beschreibt
das Lebenswerk bekannter Bonner Flieger und Konstrukteure, schildert regionale Ereignisse
der Luftfahrt und erzählt manches Anekdötchen.
Zum Selbstkostenpreis von 20,00 EUR kann das Buch direkt beim LSV Bonn Rhein-Sieg oder bei der Flugplatzgesellschaft
Hangelar erworben werden.
Weitere Informationen erhalten Sie von Dr. L. Franz, Tel: 02241-337911